Arbeitsplätze

Es gibt keinen, aber auch wirklich keinen Politiker, der es sich leisten könnte, öffentlich nicht immer wieder zu betonen, wie wichtig Arbeitsplätze sind. Sogar in Zeiten, in denen längst klar ist, daß es Vollbeschäftigung voraussichtlich nie wieder geben wird, müssen die Politiker so tun, als wüßten sie das nicht und müssen weiter behaupten, es werde jede Anstrengungen unternommen, um Arbeitsplätze für alle zu schaffen. Dazu müsse man ihn – also den betreffenden Politiker – nur erst einmal wählen.

Wie wichtig Arbeitsplätze tatsächlich sind, sieht man daran, daß dieses Wort, als Argument beschwörend in eine beliebige Diskussionen geworfen, ausreicht, um erstaunliche Dinge geschehen zu lassen.

Zum Beispiel kann man damit einem Großkonzern erlauben, ganze Dörfer abzureißen, die Bewohner aus ihrer Heimat zu vertreiben und die Landschaft zu zerstören, damit der Konzern Kohle aus dem Boden holen kann, deren Verbrennung schließlich die Umwelt noch einmal nachhaltig schädigt.

Man kann auch die Existenz einer Firma rechtfertigen, die die Störung der Totenruhe sozusagen zum Geschäftsmodell erhoben hat und dessen offenbar geisteskranker Geschäftsinhaber Geld damit verdient, aus Leichenteilen bizarre Figuren zusammenzusetzen, damit sich der gruselgeile Mob daran ergötzen kann.

An diesen beiden einfachen Beispielen läßt sich erkennen, wie wichtig Arbeitsplätze sind – sie sind offensichtlich sogar wichtiger als die grundlegendsten Werte unserer abendländischen Ethik oder das, was davon übrig ist. Deshalb frage ich mich ernsthaft, warum nicht mit der genialen und unwiderlegbaren Begründung „Arbeitsplätze schaffen“ in Deutschland mehrere Fabriken gebaut werden, die zum Beispiel Landminen oder Granaten herstellen. Die könnte man prima nach Afrika verkaufen, da gibt es immer eine große Nachfrage. Im Kongo ist gerade Bürgerkrieg, und mit rechtzeitigen und ausreichenden Waffenlieferungen dorthin könnte man den Krieg sicher eine Weile am Laufen halten – und vor allem viele Arbeitsplätze in Deutschland schaffen.

Aber irgendwie gibt es da bei uns noch Versäumnisse. Ein möglicher Grund für diese Zurückhaltung bei der Ausrottung der Afrikaner könnte aber auch sein, daß wir diese Aufgabe dem Papst überlassen wollen, damit der auch irgendetwas Sinnvolles zu tun hat. Der Papst hat aber scheinbar keine Ahnung von der Bedeutung von Arbeitsplätzen, denn er geht die Aufgabe ganz anders an und versucht, die Afrikaner durch Förderung von AIDS auszurotten.

Als ich diesen Gedanken kürzlich einem Freund mitteilte, meinte dieser, ich dürfe nicht so respektlos vom Papst reden. Ich antwortete: „Wieso nicht? Dieser Mann verdient unseren Respekt nicht.“ Mein Freund wollte daraufhin wissen, ob ich wirklich glaube, der Papst wolle die Afrikaner ausrotten. Das glaube ich natürlich nicht. Aber ich halte seine unsinnige Behauptung über Kondome für grob fahrlässig. Die Worte des Papstes sind leider für viele Menschen bindend, selbstverständlich auch für sehr viele Afrikaner. Einige von ihnen werden also nun den groben Unfug des alten Mannes glauben und andere Menschen mit HIV infizieren.

Heiliger Vater Ratzinger, ist es denn so schwer zu begreifen, wie das mit dem Gummi funktioniert? Wissen Sie wirklich nicht, wie nützlich der sein kann? Mir wird es immer dann klar, wenn ich mir vorstelle, Ihr Vater hätte damals bei Ihrer Zeugung eines benutzt! Dann müßten wir jetzt nicht Ihr unseliges Treiben mitansehen. Wie christlich ist es eigentlich, die Zeugung von Kindern zu befürworten, die schon mit HIV infiziert auf die Welt kommen, oder, falls nicht infiziert, nach wenigen Jahren verhungern?

Können Sie mir das beantworten, Herr Ratzinger? Und kommen Sie mir jetzt nicht mit Arbeitsplätzen im Bestattungsgewerbe…

 

Andreas Vent-Schmidt
Gelesen am 25. März 2009